Winterruhe für die Vögel

Sie kommen von ganz weit her, unsere Wintergäste.
Keine "Parkenten" - Besondeheiten aus dem hohen Norden
Schutzgebiet Ammersee

 Gefiederte Hochleistungssportler am Ammersee & Starnberger See

Stand Up Paddeln im Winter hat einen ganz besonderen Reiz. Die Seen sind leer. Die Natur berauschend.
Vor dem Hintergrund von Rücksicht, Akzeptanz für den SUP- Sport und Breitenwirkung sollte man dabei aber ein paar Punkte beachten – vor allem am Ammersee und am Starnberger See, die im Winter ganz besonders im Licht des Vogelschutzes stehen. Bei einem spannenden Treffen mit den Vogelschutzbeauftragten des Ammersees – Franz Wimmer, Christian Niederbichler und Miriam Hansbauer -  haben wir gezeigt bekommen, was zu beachten ist…

Seit 1971 sind der Ammersee und der Starnberger See sogenannte Ramsar-Schutzgebiete (nach einer kleinen Stadt im Iran) von internationaler Bedeutung Somit stehen sie in einer Reihe mit den Everglades, der Camargue oder dem deutschen Wattenmeer, denn all diese Gebiete zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders wertvolle Lebensräume für Wasservögel bieten  – nur statt Alligatoren sind es hier Vögel – und zwar genau hier und fast nur hier und ganz besonders eben im Winter.

Beide Seen sind im Winter Treffpunkt von jeweils fast 20.000 Wasservögeln. Während sich im Sommer hier gerade einmal etwa 1500 Vögel aufhalten, sind es im Winter 10 Mal so viele. Und zwar Vögel, die dafür über 4000 Kilometer weit geflogen sind. Sie kommen aus Skandinavien, dem Baltikum und Russland, wo sie im Sommer brüten. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 km/h gehen die Tiere deutlich an ihre Leistungsgrenze. Sie bauen nicht nur ihre Fettreserven ab, selbst innere Organe müssen für den Hochleistungsflug herhalten. Und wenn sie dann hier sind brauchen sie – wen wundert’s - in allererster Linie Ruhe und Nahrung.

Es sind vorwiegend Enten, die bei uns überwintern. Nicht nur „Gründelenten“ wie die bekannte Stockente, sondern v.a. sogenannte „Tauchenten“, die sich von Muscheln ernähren. Und zwar genau von den scharfkantigen Muscheln, die uns beim Baden im Sommer so piesacken. Diese Dreikantmuscheln wurden in den 60er Jahren wohl aus dem Schwarzen Meer hier eingeschleppt. Sie wachsen vor allem an Steinen und Pfählen und Bojenketten. Über den Winter hinweg werden sie von den Tauchenten wie Reiherente, Tafelente oder Schellente abgegrast. Über den Sommer wachsen sie wieder nach ( grauslige Vorstellung, was wohl wäre, wenn sie nicht mehr abgegrast würden). Ein Kreislauf, der eben genau nur hier und an wenigen anderen Orten in Bayern stattfindet.

Im Gegensatz zu den an Menschen gewöhnten „Parkenten“ sind diese Wildenten sehr schreckhaft. Oft reicht schon eine Annäherung von 500 Metern und der Schwarm fliegt auf und davon. Nun lassen sich die aufgeschreckten Tiere nicht gleich wieder in angemessener Entfernung nieder, sondern verschwenden, einmal aufgebracht, wichtige Energien bis sie wieder zu Ruhe kommen. 500 Meter Abstand ist ziemlich viel. Das Aufschrecken der Vögel nimmt man kaum war, noch viel weniger nimmt man wahr, dass es sich  um diese echt schützenswerten gefiederten Hochleistungssportler handelt. Und jedes Aufschrecken kostet Energie, sehr viel Energie, die spätestens dann fehlt, wenn sie in die Brutsaison starten. Und das bedeutet  dann leicht, schlechten Bruterfolg und entsprechend wenig Nachwuchs.

Aber genau an diesem Punkt können wir Paddler und Windsurfer und Ruderer Rücksicht nehmen. Es gibt eine freiwillige Vereinbarung, die für den Ammersee und den Starnberger See eine Winterruhe vom 30. Oktober bis 31. März vorsieht. Sie ist, zumindest bislang, freiwillig. Aber auch darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, die Tiere möglichst in Ruhe überwintern zu lassen:

Basierend auf regelmäßigen Vogelzählungen, gibt es eine Karte, die Wasservogel-Ruhezonen beschreibt. Wer hier nicht paddelt, hilft den Vögeln. Dazu gehören das Nordende des Ammersees, das Ostufer mit dem nördlichen Teil der Herrschinger Bucht, ein Bereich vor Höhenberg und das Südende des Sees. Westufer bis Seemitte hingegen werden von den Vögeln kaum genutzt und man kann hier gut paddeln – idealerweise in der Gruppe und nicht allein. Denn ein Paddler schreckt genauso viele Vögel auf, wie viele Paddler.
Die Ruderclubs gehen übrigens mit gutem Beispiel voran: sie haben am Ammersee wie am Starnberger See eigene Winterruderstrecken. Dort rudern sie gemeinsam zu bestimmten Zeiten. So harmonieren Vogelschutz und Winterwassersport.

Auch Kiter und Surfer könnten eine Beitrag leisten: Bei viel Wind verziehen sich die Tiere am Nordende in den Schutz der kleinen Inseln und am Rieder Eck verziehen sich die Enten in den Schutz des nördlichen Teils der Herrschinger Bucht. Wenn bei viel Wind alle nur vom Rieder Eck aus starten und keiner aus der Herrschinger Bucht kommt, wäre viel geholfen. Entsprechendes gilt für den Norden: wenn alle von Stegen ablegen und die Insel umfahren, …

Im Gewässerentwicklungskonszept für den Ammersee sind die Winterruhezonen bislang noch nicht bindend. Je mehr jeder freiwillig auf die Vögel Rücksicht nimmt, desto eher bleibt es dabei.

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